Grundsatzpapier

1. Einleitung

1974 wurde erstmals in Hessen Sozialarbeit in einer Schule eingerichtet. Bis Mitte der 80er Jahre folgten weitere Einrichtungen in Form von Modellprojekten, die im Anschluss unter der Trägerschaft der öffentlichen und freien Jugendhilfe fortgeführt wurden.

Seit Ende der 80er Jahre wurden Regeleinrichtungen installiert.

Bislang wurden für die Sozialarbeit in Schulen (SiS) von Seiten der Bundes- und Landespolitik keine gesetzlich verankerten Rahmenkonzepte erstellt. Um die Weiterentwicklung der SiS zu gewährleisten, bildete sich 1976 der Arbeitskreis Hessen – Sozialarbeit in der Schule als Zusammenschluss einzelner Einrichtungen. 1998 ging daraus die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Hessen – Sozialarbeit in Schulen hervor.

 

2. Selbstverständnis

Die LAG versteht sich als Forum für die Interessenvertretung und gegenseitige Unterstützung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der SiS. Sie setzt sich für die Profilierung und Professionalisierung dieses Arbeitsfeldes ein. Die LAG ist Ansprechpartner für die fachliche und politische Öffentlichkeit.

 

3. Ziele und Arbeitsinhalte

Die LAG Hessen – Sozialarbeit in Schulen ist ein Gremium für die fachspezifische Auseinandersetzung und die Entwicklung von sozialpädagogischen und sozialarbeiterischen Angeboten in Schulen. Ihre Ziele sind:

- Verankerung und Weiterentwicklung der inhaltlichen Arbeit

- Verbesserung der Rahmenbedingungen für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter an Schulen

- Unterstützung des qualifizierten Fachpersonals und bestehender Einrichtungen

- Jugend-, sozial- und schulpolitische Einflussnahme

- Mitarbeit an der Entwicklung eines Berufsbildes für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Schulen

- Unterstützung bei der Einrichtung von Sozialarbeit an jeder hessischen Schule, die Bedarf anmeldet.

Aus diesen Zielvorstellungen leiten sich folgende Arbeitsinhalte ab:

- Informations- und Erfahrungsaustausch der Mitglieder

- Beratung neuer Kolleginnen und Kollegen sowie Träger

- Kooperation mit anderen Institutionen der Jugendhilfe, Schulen, Ausbildungsträgern und Fachgremien

- Kontakt und fachlicher Austausch mit Landesarbeitsgemeinschaften anderer Bundesländer

- Öffentlichkeitsarbeit

- Organisation von Fortbildungen/Fachtagungen

 

4. Geschäftsordnung und Organisation

4.1 Mitgliedschaft/Aufnahme

Mitglied in der LAG kann jede qualifizierte Fachkraft und können alle Einrichtungen von Sozialarbeit in Schulen werden.

Die Aufnahme erfolgt durch Eintrag in das Mitgliedsregister. Voraussetzung hierfür ist die Anerkennung der Geschäftsordnung und die Bereitschaft zu kontinuierlicher Mitarbeit. Stimmberechtigt sind alle Mitglieder.

Mitglieder und interessierte Personen werden schriftlich zu den Arbeitssitzungen eingeladen.

 

4.2 Sitzungen/Tagungen

Zwei Mal im Jahr finden eintägige Sitzungen statt, einmal jährlich wird eine zweitägige Fachtagung veranstaltet. Eine kontinuierliche Teilnahme der Mitglieder an den Sitzungen gilt als vereinbart. Bei Verhinderung muss eine Absage bei der gastgebenden Einrichtung erfolgen.

Für die Sitzungen wird ein Zeitplan erstellt. Die jeweiligen Tagesordnungspunkte werden bei jeder Sitzung für das nächste Treffen festgelegt.

Die Dienststelle hat die Teilnahme zu ermöglichen.

Beschlüsse:

Beschlüsse können auf jeder Sitzung unabhängig von der Anzahl der vertretenen Personen/Einrichtungen gefasst werden. Jedes anwesende Mitglied verfügt über eine Stimme. Beschlüsse zur Tagesordnung werden mit einfacher Mehrheit gefasst und sind nur dann relevant, wenn sie unter der angekündigten Tagesordnung aufgeführt wurden.

 

4.3 Öffentliche Vertretung der LAG

Im Bedarfsfall wird von den Mitgliedern eine Sprecherin oder ein Sprecher nominiert, die/der die Belange der LAG nach außen vertritt.

 

5. Bedingungen für professionelle sozialpädagogische Arbeit in Schulen

5.1 Standards/Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen für SiS müssen die fachliche Unabhängigkeit sowie quantitative und qualitative Mindeststandards garantieren.

 

5.1.1 Rechtliche Grundlage

SiS ist ein Angebot der Jugendhilfe. Gesetzliche Grundlage ist das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII).

Die Trägerschaft und entsprechend die Dienst- und Fachaufsicht sollten bei einem anerkannten freien Träger oder einem kommunalen Träger der Jugendhilfe liegen.

 

5.1.2 Kooperationsvereinbarungen

Ein wesentlicher Baustein sind die Kooperationsvereinbarungen, die die Sicherung der Standards zwischen Schule, Träger der Sozialarbeit und Geldgeber (Kommune, Landkreis, Land und Bund) garantieren.

 

5.1.3 Personal

Eine Vollzeitstelle pro 150 Schülerinnen und Schülern ist angemessen. Die Teams sollten gemischtgeschlechtlich besetzt sein und das Fachkräftegebot muss gewahrt werden.

Für die Fachkräfte der SiS sind einheitliche arbeits- und tarifliche Bedingungen anzustreben, vergleichbar mit den Lehrkräften.

Die Stellen müssen unbefristet und vertraglich abgesichert sein; eine jährliche Anpassung der Zuschüsse für Personalkosten gemessen an den Tarifabschlüssen muss gewährleistet sein.

Es ist sicherzustellen, dass jede Einrichtung über einen angemessenen Sachkostenetat verfügt, den sie selbstständig verwaltet.

 

5.1.4 Fachlichkeit

Fortbildung und Supervision sind für die Sicherung und Weiterentwicklung der fachlichen Qualität von SiS unverzichtbar und durch den Träger zu gewährleisten.

 

5.1.5 Ausstattung

Eine Mindestausstattung an Räumen, die ausschließlich der Sozialarbeit in der Schule zur Verfügung stehen, muss langfristig abgesichert sein (ein Büro mit derzeitigen Standards der Bürokommunikation, ein Gruppenraum, ein Beratungsraum). Diese Räume stehen ausschließlich den Sozialarbeiterinnen und/oder Sozialarbeitern zur Verfügung.

 

5.2 Prinzipielle Merkmale der Arbeit

Vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen Sichtweise soll in den Angeboten der SiS – unter Berücksichtigung der wichtigsten Sozialisationsinstanzen wie Familie, Schule und soziales Umfeld – individuell auf die Bedürfnisse und Probleme der Kinder und Jugendlichen eingegangen werden.

Vorrangiges Anliegen der SiS ist es, präventiv tätig zu sein.

Im Gegensatz zum schulischen Regelunterricht sind die sozialpädagogischen Angebote der SiS freiwillig. Sie stehen allen Schülerinnen und Schülern offen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SiS unterliegen der Schweigepflicht. Gesprächsinhalte werden nur mit Einverständnis der Betroffenen weitergegeben.

Die Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen und Netzwerkarbeit ist Voraussetzung für professionelle Arbeit.

 

5.3 Arbeitsfelder

SiS umfasst eine Vielfalt von Arbeitskonzepten und -schwerpunkten. Sie finden ihre Konkretisierung vor Ort, abhängig vom sozialen Umfeld, dem Einzugsgebiet, der Schulform und -größe.

Folgende Arbeitsfelder seien beispielhaft genannt:

- Beratung (Kinder und Jugendliche, Eltern, Lehrerinnen / Lehrer)

- Wahrnehmung des Schutzauftrags nach § 8a und § 8b SGB VIII

- Elternarbeit (Schnittstelle Familie/Schule)

- Förderung der sozialen Kompetenzen

- Begleitung von Klassen

- Hilfen beim Übergang (Kindertagesstätte – Grundschule – weiterführende Schule)

- Hilfen beim Übergang Schule/Beruf (Berufsorientierung, Bewerbungstraining etc.)

- Themenbezogene Gruppenarbeit und Projekte

- geschlechtsspezifische Angebote

- Angebote der Freizeitpädagogik

- Vernetzung mit Kooperationspartnern im Stadtteil

- Netzwerk-und Gremienarbeit

 

6. Schlusswort

Das Grundsatzpapier wurde durch die Mitglieder am 10. November 2015 in Münster bei Dieburg überarbeitet und beschlossen.

 

 

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